Pflegepädagogische Hilfen

Feedback-Gespräche in der generalistischen Pflegeausbildung

Text: Stephan Frey | Foto (Header): © K.A./peopleimages.com – stock.adobe.com

Gerade in der Ausbildung sind Feedbackgespräche unerlässlich.

Auszug aus:

Die Praxisanleitung
Ausgabe 01.2024
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Feedback-Gespräche sind ein grundlegendes Element in der generalistischen Pflegeausbildung, um einen guten Lernerfolg zu erzielen, und spielen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von zukünftigen Pflegefachkräften. Sie ermöglichen es, Leistungen zu bewerten, Lernprozesse zu unterstützen und die erforderlichen Kompetenzen in unterschiedlichen Pflegebereichen zu entwickeln. Insbesondere für Praxisanleiter und ihre Schülerinnen und Schüler sind effektive Feedback-Mechanismen unerlässlich, um eine umfassende und hochwertige Ausbildung zu gewährleisten (vgl. Burgess und Mellis, 2015, S. 373 – 381).

In diesem Fachtext wird die Bedeutung von Feedback im Kontext der generalistischen Pflegeausbildung dargelegt. Er richtet sich an Praxisanleiter und Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler gleichermaßen und zielt darauf ab, die Relevanz von Feedback-Prozessen in der Ausbildung zu betonen und praktische Leitlinien für deren Durchführung zu bieten. Ziel ist es, das Verständnis und die Fähigkeiten im Bereich des Feedbacks zu verbessern, um so die Qualität der Pflegeausbildung und die berufliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler zu fördern (vgl. Hattie und Timperley, 2007, S. 81 – 112).

Grundlagen der Generalistik in der Pflegeausbildung in Deutschland

Die generalistische Pflegeausbildung in den ersten beiden Ausbildungsjahren zielt darauf ab, Pflegekräften eine umfassende und vielseitige Bildung zu bieten, die sie auf eine Vielzahl von Pflegesituationen und -umgebungen vorbereitet. In der generalistischen Ausbildungsstufe wird großer Wert auf die Entwicklung interprofessioneller Kommunikations- und Kollaborationsfähigkeiten gelegt. Dies ist entscheidend, um in einem Umfeld, in dem Pflegekräfte eng mit anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten, eine effektive und an den Pflegebedürftigen orientierte Versorgung zu gewährleisten (vgl. Joyce University, 2023).

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vermittlung von Kenntnissen in den Bereichen Krankheits- und Verletzungsprävention sowie der Förderung des Gesundheitsbewusstseins. Dies dient der Verbesserung der öffentlichen Gesundheit und der Förderung von Verhaltensänderungen, die sowohl individuell als auch auf Bevölkerungsebene Sicherheit und Aufklärung bieten (vgl. Joyce University, 2023).

Interprofessionelle Kommunikation

Die generalistische Ausbildungsebene betont dabei die Bedeutung beruflicher Werte wie Altruismus, Autonomie, Menschenwürde, Integrität und soziale Gerechtigkeit. Diese Werte sind grundlegend für die weitere ethische Ausrichtung der Pflegepraxis im späteren Verlauf des Spezialisierungsjahres in der Pflegeausbildung (vgl. Joyce University, 2023).

Rolle von Feedback-Gesprächen in der Pflegeausbildung

Feedback-Gespräche sind ein entscheidendes Instrument in der Pflegeausbildung. Sie ermöglichen es den Lernenden, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse kontinuierlich zu verbessern und sich an die vielfältigen Anforderungen der Pflegepraxis anzupassen.

Feedback ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses. Es hilft den Pflegeschülerinnen und Pflegeschülern, ein Verständnis für ihre Stärken und Verbesserungsbereiche zu entwickeln. Regelmäßiges und effektives Feedback fördert gute Praktiken und motiviert die Lernenden, die gewünschten Ergebnisse zu erreichen (vgl. BMC Medical Education, 2023).

Feedback kann in verschiedenen Formen erfolgen – konstruktiv, kritisch oder motivierend. Wichtig ist, dass es genau, wertvoll und sowohl auf positive als auch auf negative Punkte ausgerichtet ist. Feedback-Sitzungen sollten die Selbstbewertung der Lernenden, die Bewertung durch den Lehrenden und einen Aktionsplan für zukünftige Leistungsverbesserungen umfassen (vgl. BMC Medical Education, 2023).

Erfolgreiche Feedback-Gespräche berücksichtigen dabei die Struktur, Format und den Inhalt der jeweiligen Ausbildungsinhalte. Sie sollten in einer vertraulichen Umgebung stattfinden, wobei der Zweck des Meetings allen Beteiligten klar sein muss. Das Feedback sollte auf beobachteten Einstellungen, Verhaltensweisen und Kenntnissen basieren und beschreibende Worte verwenden, um das Verständnis des Feedbacks zu unterstützen. Die Schaffung von gegenseitigem Vertrauen und Respekt ist dabei entscheidend, wobei das gemeinsame Ziel die Verbesserung der Leistung der Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler sein muss (vgl. BMC Medical Education, 2023).

Vorbereitung auf Feedback-Gespräche

Die effektive Vorbereitung auf Feedback-Gespräche ist entscheidend, um deren Nutzen zu maximieren. Sowohl Praxisanleiter als auch Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler müssen sich auf das Gespräch vorbereiten, um einen effektiven Lerneffekt zu erzielen.

Relevante Beobachtungen sammeln

Die Vorbereitung auf das Feedback-Gespräch erfordert dabei eine klare Zielsetzung. Sowohl Praxisanleiter als auch Schülerinnen und Schüler sollten sich auf das Gespräch vorbereiten, indem sie relevante Beobachtungen, Beispiele und konkrete Punkte für das Feedback sammeln. Es ist wichtig, dass die Feedback-Sitzung in einer Umgebung stattfindet, die keine der beiden Parteien einschüchtert und die Vertraulichkeit gewährleistet (vgl. BMC Medical Education, 2023).

Die Selbstreflexion ist dabei der wesentliche Bestandteil des Feedback-Prozesses. Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler sollten angeregt werden, vor dem Feedback-Gespräch über ihre eigenen Leistungen und Lernerfahrungen nachzudenken. Ebenso sollten Praxisanleiter ihre eigenen Beobachtungen und die Leistung der Schülerinnen und Schüler reflektieren, um ein ausgewogenes und konstruktives Feedback zu ermöglichen (vgl. BMC Medical Education, 2023).

Durchführung von effektiven Feedback-Gesprächen

Konstruktives Feedback sollte sowohl positive Aspekte als auch Verbesserungsbereiche umfassen. Die Praxisanleiter sollten dabei darauf achten, Feedback so zu formulieren, dass es spezifisch, relevant und verständlich ist. Es ist wichtig, dass Feedback direkt auf beobachtete Verhaltensweisen oder Leistungen bezogen wird, um Missverständnisse zu vermeiden und konkrete Anhaltspunkte für Verbesserungen zu geben (vgl. BMC Medical Education, 2023).

Effektives Feedback erfordert dabei den Einsatz spezifischer Kommunikationstechniken. Dazu gehört aktives Zuhören, bei dem der Praxisanleiter aufmerksam zuhört und das Gesagte reflektiert. Ich-Botschaften und empathische Kommunikation können dazu beitragen, eine positive Atmosphäre zu schaffen und den Lernenden zu ermutigen, offen auf das Feedback zu reagieren. Des Weiteren kann die Verwendung von Pendletons Modell des Feedbacks, das zur Selbstreflexion anregt und den Schülerinnen und Schülern erlaubt, die Herangehensweise an das Feedback zu führen, hilfreich sein (vgl. BMC Medical Education, 2023).

Übungen und Fallbeispiele

Praktische Beispiele und Übungen sind dabei besonders wichtig, um das Verständnis und die Anwendung von Feedback-Strategien in der Pflegeausbildung zu verbessern.

Es ist dabei besonders hilfreich, reale Fallstudien zu betrachten, in denen effektives Feedback zu spürbaren Verbesserungen in der Pflegepraxis geführt hat. Solche Beispiele können aus verschiedenen Pflegekontexten stammen und zeigen, wie konstruktives Feedback zur Entwicklung von Pflegekompetenzen insgesamt beiträgt (vgl. BMC Medical Education, 2023).

Rollenspiele und simuliertes Feedback können dabei als besonders effektive Trainingswerkzeuge eingesetzt werden. Diese Übungen ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern und Praxisanleitern, Feedback-Szenarien in einer sicheren und somit einer kontrollierten Umgebung zu üben und zu reflektieren.

Umgang mit spezifischen Herausforderungen in Feedback-Gesprächen

Feedback-Gespräche können dabei durchaus herausfordernd sein, insbesondere wenn es um kritische Rückmeldungen geht. Es ist dabei wichtig, diese Herausforderungen so effektiv zu managen, dass der Lerneffekt optimal ist.

Praxisanleiter sollten aber auch darauf vorbereitet sein, auf emotionale Reaktionen der Schülerinnen und Schüler angemessen zu reagieren. Dies erfordert Empathie und Verständnis sowie die Fähigkeit, Feedback klar und deutlich, aber auch entsprechend einfühlsam zu kommunizieren.

Abschließende Empfehlungen für Praxisanleiter und Schülerinnen und Schüler bei Feedback-Gesprächen

  • Integrieren Sie Feedback als regelmäßigen Bestandteil des Lernprozesses in die Ausbildung.
  • Schaffen Sie eine Umgebung, in der Feedback positiv und als Chance zur Verbesserung angesehen wird.
  • Nutzen Sie Techniken wie aktives Zuhören und empathische Kommunikation, um Feedback effektiv zu vermitteln.
  • Ermutigen Sie zur Selbstreflexion als Teil des Feedback-Prozesses.

Praxisanleitung und Auszubildende profitieren

Fazit

Feedback-Gespräche in der generalistischen Phase der Pflegeausbildung sind ein unverzichtbarer Aspekt, um einen effektiven und nachhaltigen Lerneffekt zu erzielen und damit die Qualität der Pflegeausbildung und letztlich der Pflege insgesamt stetig zu verbessern. Sowohl Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter wie auch Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler profitieren dabei gleichermaßen von den Feedback-Gesprächen. Die Praxisanleiter erhalten ein Feedback dahingehend, ob ihre Ausbildungsinhalte gut vermittelt wurden, die Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler bekommen hinsichtlich der korrekten Umsetzung der Lerninhalte das entsprechende Feedback. Insofern sind Feedback-Gespräche in der generalisierten Phase der Pflegeausbildung ein wichtiges pädagogisches Hilfsmittel, um eine effektive und damit erfolgreiche Bewältigung der Ausbildungsinhalte zu ermöglichen.

Verwendete und zitierte Quellen und Literatur

BMC Medical Education. Feedback in the clinical setting (2023). Verfügbar unter: https://bmcmededuc.biomedcentral. com (zuletzt aufgerufen am: 11.01.2024).

Burgess, A./Mellis, C.: Feedback and assessment during clinical placements: achieving the right balance, in: Advances in Medical Education and Practice, 6, (2015), S. 373–381.

Franklin University. MSN Generalist Online Program (2023). Verfügbar unter: https://www.franklin.edu (zuletzt aufgerufen am: 08.01.2024).

Hattie, J./Timperley, H.: The power of feedback, in: Review of Educational Research, 77, (2007), S. 81–112.

Joyce University. 9 Essentials of Baccalaureate Education for Nursing (2023). Verfügbar unter: https://www.joyce.edu (zuletzt aufgerufen am: 10.01.2024).

University of Nebraska Medical Center. Advanced Nurse Generalist (2023). Verfügbar unter: https://www.unmc.edu (zuletzt aufgerufen am: 14.01.2024).

Der Autor

Stephan Frey
Gesundheits- und Krankenpfleger, Medizinjournalist

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